Gut gepolstert – «Botox» à la Solothurn

Olivier F. Ziegler ist in Solothurn aufgewachsen und hat sein Teppichfachgeschäft vor 30 Jahren gegründet: «Ich wollte schon immer mit Materialien aus fernen Ländern arbeiten, und so bin ich auf die Teppiche gekommen. Dieses Gen steckt vermutlich schon lange, wenn auch nur schwach dosiert, in meinem Blut: Mein Ururgrossvater Philipp Ziegler hat 1850 die erste Importfirma für Teppiche in England gegründet.» Die klassischen Teppiche, wie wir sie von früher kennen, will heute niemand mehr. Die Gradlinigkeit der Möbel widerspiegelt sich auch in den Bodenbelägen und den Vorhängen. Der Fachmann weiss: «Die Einrichtungen haben sich enorm gewandelt. Das Mobiliar hat schlichte Formen, man findet kaum noch Antiquitäten, und das wirkt sich auf die Wahl der Teppiche aus. Die Knüpfer in den Ursprungsländern wie Iran oder Türkei haben das erkannt und knüpfen jetzt Teppiche mit weniger Mustern, dafür vermehrt mit warmen Farben. Die neuen Teppiche verleihen Sichtbeton und dem kühlen Einrichtungsstil ein wohnliches Ambiente.» Nichtsdestotrotz findet da und dort doch noch ein alter Sessel oder ein Corbusier Platz in den neuen Wohnlandschaften. Allerdings nicht mit den herkömmlichen Materialien, sondern aufgepeppt mit trendigen Stoffen. «Daraus entwickelte ich meine zweite Geschäftsidee, ‹Botox›. In unserer Polsterei straffen und polstern wir alte Möbel und verleihen ihnen ein ganz neues Aussehen. In diesem Bereich bilden wir auch Lernende aus, und ich packe jetzt gleich die Chance, interessierte Jugendliche zu animieren, sich bei Interesse für die Lehrstelle 2021 zu bewerben.» Und zum Schluss: Olivier F. Ziegler weiss auch, welche Vorhänge zu welcher Einrichtung passen: «Vorhänge machen eine Einrichtung erst komplett – wir finden für jeden Raum die passende Lösung.»


«Lila», mehr als ein Farbtupfer

Makramee-Tasche – aktuelles Lieblingsstück von Nadia von Arx
Makramee-Tasche – aktuelles Lieblingsstück von Nadia von Arx

Nadia von Arx war 20 Jahre lang im Bankwesen tätig und arbeitet in Zürich: «Mit dem Heranwachsen meiner Kinder gestaltete sich der Alltag mit Wohnort Solothurn und Arbeitsort Zürich immer komplizierter, und ich wollte mich verändern. Lädele war schon immer eine Leidenschaft von mir. Ich war und bin immer noch der festen Überzeugung, dass es in Solothurn unbedingt einen Laden braucht, wo es so schöne Sachen zu kaufen gibt wie in anderen Städten. Mein erster Laden an der Goldgasse war sehr klein, und ich wurde schon ein bisschen belächelt. Nach einem Zwischenhalt in einem etwas grösseren Lokal bin ich jetzt seit vier Jahren hier in meinem grossen Laden am Friedhofsplatz.» Die letzten Monate waren für die Geschäftsfrau eine grosse Herausforderung. «Ich habe keinen Onlineshop. Unsere Produkte sind behaftet mit vielen Emotionen – die Farbe, das Deko oder die Form wecken Erinnerungen. Man nimmt einen Gegenstand in die Hand und entschliesst sich dann zum Kauf. Das funktioniert im Internet ohne unser Ambiente nicht.»

Die Auswahl an schönen Sachen bei «Lila» ist riesig, und man kann sich so richtig vertrödeln zwischen den Regalen. Nadia von Arx sucht für die Kundinnen und Kunden immer wieder neue schöne Dinge. Wie zum Beispiel die Makramee-Taschen, welche im Moment das Schaufenster schmücken. «Das sind aktuell meine Lieblingsstücke. Die Taschen werden in Zusammenarbeit mit Frauen in Bangladesch produziert. Mit dem Verkauf einer Tasche werden in Bangladesch 12 hungrige Mäuler satt. Solche Projekte gefallen mir, und die unterstütze ich auch sehr gerne.»


Ein Emmentaler in Solothurn

Thomas Künzi rasiert sich selbstverständlich mit Pinsel und Messer.
Thomas Künzi rasiert sich selbstverständlich mit Pinsel und Messer.

«Ich bin im Emmental aufgewachsen und war sehr unentschlossen, welchen Beruf ich ergreifen soll. So machte ich zuerst eine Verkaufslehre und packte erst danach die Ausbildung zum Messerschmied an. Rückblickend eine gute Sache – beide Berufe bieten mir jetzt eine perfekte Basis für meine Messerschmiede hier in Solothurn.» Wieso in Solothurn? «Als klar war, dass wir uns selbstständig machen wollen, haben wir verschiedene Angebote geprüft, auch in Bern und Zürich. Aber für so ein Landei wie mich sind diese Städte zu gross. Solothurn passt perfekt zu meiner Frau und mir. Wir fühlen und sehr wohl, haben eine treue Kundschaft und sind inzwischen gut verwurzelt hier.» Wie es früher in Solothurn üblich war, wohnen Künzis in der Wohnung oberhalb des Geschäftes. «Wegen mir sind am Morgen weder Eisenbahnen noch Autobahnen überfüllt. Mein Wohn- und mein Arbeitsort sind nur wenige Schritte voneinander entfernt – was will ich mehr?» Nicht nur scharfe Haushalts-, Outdoor- und Sackmesser findet man in der Kronengasse, auch die unterschiedlichsten Rasiermesser und den passenden Schaum bietet Thomas Künzi für Nassrasierer an. Und solche gibt es wieder mehr: «Mir kann nichts Besseres passieren, als wenn James Bond sich – wie im letzten Film – traditionell mit einem Pinsel einschäumt, eine schöne Klinge zur Hand nimmt und wenn eine noch schönere Frau dann die Rasur macht – ein perfekter Werbespot für meinen Laden.»


«Cherzen-Jeger» – alte Traditionen mit modernem Touch

Jacqueline Kirchhofer steht seit bald 20 Jahren hinter dem Ladentisch.
Jacqueline Kirchhofer steht seit bald 20 Jahren hinter dem Ladentisch.

Das Haus an der Hauptgasse 36 wurde im 16. Jahrhundert gebaut und ist im Volksmund als «Cherzen-Jeger» bekannt. Der Name Cherzen-Jeger hängt nicht nur mit dem grossen Verkaufssortiment an Kerzen zusammen, sondern auch mit dem Servitut auf der Liegenschaft, wonach der jeweilige Geschäftsinhaber der ortsansässigen Honolulu-Fasnachtszunft am Hilari (13. Januar) die Kerze zur Narrenlaterne schenken muss – was auch heute noch gilt. Nicht nur für Narrenlaternen, sondern auch für Leuchten mit nicht genormten Kerzenhaltern findet man im hinteren Teil des Ladens passende Wachskerzen in allen Grössen, Farben und Variationen. Und wenn Eltern oder Paten einem Täufling eine ganz persönliche Kerze schenken möchten, sind sie beim «Cherzen-Jeger» auch an der richtigen Adresse. Am Schaufenster im Hinterzimmer – dort, wo man in dicken Musterbüchern moderne Tapeten findet – wurden im Laufe der Renovationsarbeiten wunderschöne Fresken freigelegt. Und beim genauen Hinschauen erkennt man am Schaufenster ein Zeichen, welches im ersten Moment an eine Apotheke erinnert. Dem ist aber nicht so. Es ist ein Merkurstab, der nach der römischen Gottheit Merkur als Symbol für den Handel steht – der Stab war früher das Erkennungszeichen der Kolonialwarenläden. Neben ausgesuchten Tapeten und speziellen Kerzen bietet der Laden auch heute noch ausgesuchte Spezialitäten aus Italien, Frankreich und England. Seit bald 20 Jahren steht Jacqueline Kirchhofer neben dem heutigen Besitzer Urs Jeger hinter dem Ladentisch und kennt das Sortiment: «Wir bieten Öle, Tees, Terrinen und viele weitere Köstlichkeiten an und bewegen uns in einer Nische. Das hat sich herumgesprochen – wir haben viele treue Stammkunden aus der Region, aber auch aus Bern, Basel und Zürich.»


«Wer Wert auf gutes Schuhwerk legt, hat Klasse und Stil»

Seit 41 Jahren mit Leib und Seele bei der Arbeit: Antonio Sturzo.
Seit 41 Jahren mit Leib und Seele bei der Arbeit: Antonio Sturzo.

Als Teenager ist Antonio Sturzo mit seiner Familie von Italien nach Solothurn gezogen und hat nach der Schulzeit eine Lehre als Schuhmacher gemacht. Bereits im Alter von 20 Jahren kam die Gelegenheit, von einem Landsmann die Schuhmacherei an der Schaalgasse zu übernehmen. «Und voilà, hier bin ich immer noch. Schuhmacher war zwar nicht mein Traumberuf. Ich wollte Automechaniker werden. Aber damals, 1976, war das nicht so einfach für mich. Es haperte noch mit meinem Deutsch. Statt einfach als Handlager zu arbeiten, machte ich lieber eine Lehre als Schuhmacher. Je länger ich in diesem Metier tätig war, desto mehr erkannte ich, dass man sich mit relativ bescheidenen Mitteln selbst etwas aufbauen kann, und ich packte die Chance, die mein Vorgänger mir bot.» Wer bereits in so jungen Jahren sein eigenes Unternehmen führt, muss auf einiges verzichten: «Meine Kollegen waren mehr in den Ferien als ich, das war der Preis für meine Selbstständigkeit. Aber das hat sich gelohnt – ich bin mein eigener Herr und Meister und habe meine beruflichen Ziele erreicht. Ich bin in Solothurn verankert und übe meinen Beruf mit Leib und Seele aus.» Wer bei Antonio Sturzo in der Werkstatt vorbeischaut, wird feststellen, dass er sein Defizit in Sachen Deutsch längst aufgeholt hat. Er begrüsst seine Kundinnen und Kunden in perfektem Solothurnerdialekt. Geblieben ist zum Glück sein unverkennbar italienischer Charme.


«Wir alle danken den Solothurnerinnen und Solothurnern für ihre Solidarität»

Alles rund um die Küche: Leidenschaft und Beruf von Daniel Wagmann. Bild: Chris Däppen
Alles rund um die Küche: Leidenschaft und Beruf von Daniel Wagmann. Bild: Chris Däppen

Seit 42 Jahren kann man im «Chuchilade» alles kaufen, was es zum Herstellen eines feinen Essens braucht – von der einfachen Röstiraffel bis hin zur weltweit ersten Kupferpfanne für Induktionsherde. Geschäftsführer Daniel Wagmann ist vor zehn Jahren einfach so in das Geschäft reingerutscht: «Meine Mutter wusste damals nicht, wie es mit unserem Familienbetrieb nach ihrer Pensionierung weitergehen sollte. Für mich war unser Laden schon immer ein vertrautes Territorium – ich bin quasi zwischen Pfannen und Töpfen aufgewachsen.» So kam es, dass der gelernte Polymechaniker kurzerhand von der Industrie in den Detailhandel wechselte. «Und ich bin geblieben. Kochen und Gustatorik (Geschmackswahrnehmung über die Rezeptoren der Zunge) gehören zu meinen Leidenschaften, die ich jetzt sogar in meinem Arbeitsalltag ausleben kann. Der Kreativität in der Küche sind fast keine Grenzen gesetzt, und so ist es auch in unserem Laden.» Deutlich angestiegen in letzter Zeit ist bei Daniel Wagmann der Verkauf von Pasta-Maschinen: «Wie bei allem hat auch Corona eine gute Seite: Die Familien kochen daheim und probieren Neues aus. Wir haben sehr viele Pasta-Maschinen verkauft. Selbst Teigwaren zu machen und sie dann zusammen mit einer feinen Sauce zu essen, stillt nicht nur den Hunger, sondern macht auch Spass.» Die Solidarität seiner Kundinnen und Kunden, welche Daniel Wagmann in den letzten Monaten erfahren durfte, ist enorm: «Wir Gewerbetreibenden und Detailhändler in der Stadt schätzen uns glücklich, dass die Solothurnerinnen und Solothurner uns in den letzten Monaten die Treue gehalten haben, jetzt die Maskenpflicht akzeptieren und dennoch bei uns einkaufen.»