«Bei uns Veranstaltern wurde zuerst geschlossen und wird wohl zuletzt gelockert», sagt Pipo Kofmehl, Leiter der Kulturfabrik Kofmehl. Über ein halbes Jahr waren die Tore des Kulturlokales in Solothurn geschlossen. Wie bei anderen Veranstaltern in der Region blieben hier die Einnahmen vorerst aus. Ab dem ersten Oktober sind Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen wieder erlaubt. Aber der Schein trügt, denn gemäss Kofmehl ist das Problem damit nicht gelöst.
    

Spital Club Solothurn

«Die Planungsunsicherheit ist im Moment sehr gross, da die Perspektiven fehlen.» Damit bezieht er sich einerseits auf die unberechenbaren Entwicklungen. Zudem hebt er hervor: «In anderen Kantonen wie beispielsweise Bern sind 300 Personen pro Sektor zugelassen.» In der grossen Halle des Kulturlokals könne er aufgrund der kantonalen Richtlinien anstelle von 900 nur 100 Personen einlassen. «Der logistische Aufwand ist dabei umso grösser», so Kofmehl. Das sei ein wenig «wettbewerbsverzerrend», denn eine Band, welche eher vor grösserem Publikum spielen wolle, werde so möglicherweise in einem anderen Kanton auftreten. Es kommt hinzu: «Ab Oktober bekommen wir neue Richtlinien.»

Je länger die Einschränkungen andauern, desto schwieriger werde es in der Kulturbranche. «Auch Volksfeste wie das ‹Märetfescht› und die HESO wurden abgesagt». Das Fehlen von Veranstaltungen werde sich auf Dauer negativ auswirken. Für Jugendliche sei es eine schwierige Phase, da das gewohnte Freizeitangebot fehlt. «Viele haben das Gefühl, sie verpassen etwas.»


«Wir wollen, dass die Besucher ohne Angst zu unseren Events kommen.»


Internationale Künstler fallen aus

Zum Restart sind jedoch im September noch keine Partys in Planung. «Wir starten dieses Jahr ‹süüferli›. Wir wollen, dass die Besucher ohne Angst zu unseren Events kommen», berichtet Kofmehl. Grosse Veranstaltungen wurden prophylaktisch auf 2021 verschoben. Ausfallen würden zudem viele internationale Künstler.

«Wir hoffen, dass die Situation nächstes Jahr besser ist», so Kofmehl. Anders wolle er gar nicht denken. Bisher habe der Betrieb sich dank der Instrumente von Bund und Kanton finanziell über Wasser halten können. «Ohne Eintritte verdienen weder Veranstalter noch Künstler genug», so Kofmehl. Je länger die Situation andauere, desto mehr müsse man allseitige Überlegungen zur Zukunft anstellen und vielleicht ganz neue Konzepte entwickeln. «Ein Liveauftritt vor Publikum wird aber nie mit einer Videoübertragung vergleichbar sein.» Tanja Graziano