Als Solothurnerin gehören die Traditionen der schönsten Schweizer Barockstadt zu meinem Alltag. Während des Lockdowns versank die sonst so lebhafte Stadt in Stille. Und wenn sie über den Sommer wieder zum Leben erwachte, ist nun vieles anders. Solothurn ohne «Märetfescht» und ohne die schweizweit bekannte HESO, die zwei jährlichen Highlights für Jung und Alt. Hätte uns das jemand vor einem Jahr erzählt, hätten wir es einen schlechten Witz genannt. Doch «sosehr es auch schmerzt», wie Urs Unterlerchner, OK-Präsident der HESO, im Interview sagt, es war die richtige Entscheidung.
      

Zwei Monate lang hat die Stille angedauert. Eine schwierige Zeit für Kleingewerbe und Gastronomie, welche die «Ambassadorenstadt» sonst mit Menschen füllen. Dank treuen Kunden und Gästen konnten sich diese über Wasser halten. Die meisten hätten sich das Jubiläumsjahr wohl etwas anders vorgestellt. Entmutigen lässt man sich davon jedoch nicht. So findet die Sonderschau «2000 Jahre Stadt Solothurn» gleich doppelt statt, und wir blicken gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern auf die Geschichte der HESO zurück. Wenn wir etwas gelernt haben dieses Jahr: aufs Jubiläum anstossen geht auch zu Hause. Tanja Graziano


Solothurn, eine freundliche Stadt!

Traditionell und innovativ zugleich Image 2

Als Nichtsolothurnerin mit Wohnsitz im Aargau verbinden mich weder Kindheitserinnerungen noch persönliche Beziehungen mit der Stadt. Einzig eine Schulreise vor gefühlten 50 Jahren hat sich in meinem Gedächtnis eingenistet.

Seit Dienstag, 8. September 2020, sind viele unvergessliche Momente dazugekommen: Bereits vor der Stadtführung mit Susanne Im Hof, kurz nach dem Verlassen des Parkhauses Baslertor, traf ich auf Tiziano Caufin. Er ist einer der Stadtgärtner in Solothurn und erzählte mir frisch von der Leber, wie gut es ihm gefällt, in Solothurn zu arbeiten, und dass die Menschen hier ausgesprochen freundlich sind. «So wie er», denke ich. Doch nicht nur ich habe an diesem Tag in Solothurn viel Freundlichkeit erfahren, sondern auch das Ehepaar Bosshart aus Küssnacht am Rigi. Sie sind beide über 90 und haben im Zunfthaus zum Wirthen Zmittag gegessen. Sie schwärmen: «Wir haben fein gegessen und sind schon lange nicht mehr so freundlich und nett bedient worden.»

Ich war unterwegs in den Gassen und auf den Plätzen der Altstadt, habe mit Passanten gesprochen, in den Geschäften gestöbert und weiss jetzt, dass ich keine andere Stadt mit einer so grossen Vielfalt an unterschiedlichen Angeboten kenne. Lesen Sie auf den nächsten Seiten, wieso der Messerschmied Thomas Künzi in der Kronengasse gelandet ist, wo Carole Hauri am liebsten eine Pizza isst oder wieso alt Bundesrätin Doris Leuthard 2016 in Solothurn zu Besuch war.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen und grüsse Sie freundlich – auf Wiedersehen! Helen Dietsche