Wie präsentiert sich Solothurn aus der Sicht von Charlie Schmid?

Charlie Schmid: Markenzeichen von Solothurn sind ein Branchenmix, der seinesgleichen sucht, und der grosse Markt jeweils am Samstag. Beides zieht Besucherinnen und Besucher aus nah und fern an und belebt die Stadt enorm. Wir haben auf kleinem Raum eine beeindruckende Vielfalt. Neben den grossen Ladenketten, welche viele auch in Solothurn vertreten sind, zeichnen uns sicher die vielen kleinen Geschäfte aus.
     

Vier Pfoten

Wer steht hinter der Stadt- und Gewerbevereinigung?

Die Stadt- und Gewerbevereinigung ist durch eine Fusion entstanden. Neben dem klassischen Gewerbeverein, welchem vor allem Handwerker angehörten, kümmerte sich die Stadtvereinigung früher um die Detailhändler und Ladenbetreiber. Mit dem «SO.GUTschein», welcher sehr rege gekauft und eingelöst wird, unterstützten sie die ansässigen Unternehmen. Es gab viele gemeinsame Themen, und so schlossen sich die beiden Institutionen vor rund zehn Jahren zusammen und stehen jetzt gemeinsam für die Interessen der Mitglieder ein. Der Vorstand setzt sich unter anderem zusammen aus Stadtschreiber Hansjörg Boll und Tourismusdirektor Jürgen Hofer. Diese Konstellation fördert den engen Austausch zwischen Stadtverwaltung, Tourismus und Gewerbe, und es wird am selben Strick gezogen. Ich denke, das ist eines der Erfolgsrezepte, dass wir auch von der politischen Seite her Sorge tragen zu unserer Stadt.

Wie geht es den Unternehmen in der Stadt?

Nach dem Lockdown hat die Stadt mobilisiert: Die Strassen sind seit Wochen sehr belebt, auch an einem ganz normalen Wochentag wie heute. Der Detailhandel hat im Sommer sehr gute Umsätze eingefahren, und auch aus dem Hotellerie- und Gastrobereich hören wir nur positive Feedbacks. Wir hatten touristisch gesehen den besten Juli, den wir je verzeichnet haben. Es ist klar: Abgerechnet wird Ende Jahr, aber ich habe das Gefühl, dass wird trotz Krise gute Zahlen schreiben werden.

Wo drückt aktuell der Schuh?

Probleme haben wir aktuell mit dem Abendverkauf, der jeweils am Donnerstag bis 21 Uhr stattfindet. Zum einen machen nicht mehr alle Läden mit, und zum andern stimmen die Frequenzen zwischen 20 und 21 Uhr überhaupt nicht mehr. Entweder reaktivieren wir die verlängerte Öffnungszeit mit Aktionen, oder wir führen den Abendverkauf nicht mehr durch. Wenn kein Bedürfnis mehr besteht, muss man meines Erachtens nicht krampfhaft daran festhalten.


«Nach dem Lockdown hat die Stadt mobilisiert.»

Charlie Schmid
Geschäftsführer Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn


Welche Berührungspunkte gibt es zwischen der Bevölkerung und der Stadt- und Gewerbevereinigung?

Viele Menschen haben den Eindruck, die Stadt- und Gewerbevereinigung sei passiv. Sie sind sich dessen nicht bewusst, dass die HESO und das «Märetfest» Anlässe sind, die unter unserer Flagge laufen. Sie sind jedoch an eigenständige Organisationen ausgelagert. Nicht vergessen darf man, dass die ganze Weihnachtsbeleuchtung der Stadt durch uns finanziert wird. Wir haben zwar wertvolle Sponsoren, die uns unterstützen, aber einen grossen Teil bezahlen wir aus unserer Tasche. Allein die neue Beleuchtung auf dem Friedhofsplatz kostet in diesem Jahr 10 000 Franken. Das weihnächtlich geschmückte Solothurn zieht im Dezember nicht nur die Solothurnerinnen und Solothurner, sondern auch viele auswärtige Besucherinnen und Besucher an, welche dann hier ihre Einkäufe tätigen.

Welcher Vorteil bringt eine Mitgliedschaft der Stadt- und Gewerbevereinigung?

Der Mitgliederbestand bei uns ist, wie andernorts auch, tendenziell eher rückläufig. Oft steht die Frage im Raum, welche Vorteile eine Mitgliedschaft in einem Gewerbeverein mit sich bring. Auf unserer Website finden Sie elf gute Gründe, wieso man sich unserer Vereinigung anschliessen soll. Neben den fünf kostenlosen Netzwerkanlässen, Standvergünstigungen an der HESO und am «Märetfest» und anderen Vorteilen setzen wir uns auch politisch für gute Rahmenbedingungen für das Gewebe ein. So haben wir zum Beispiel erst vor kurzen zusammen mit anderen Interessengemeinschaften erfolgreich die Verschärfung des Parkplatzreglements bekämpft, und es wurde an der Gemeindeversammlung bachab geschickt.

Mit «ShopIn» haben Sie einen digitalen Marktplatz geschaffen. Wieso?

Die Vorgeschichte der App ist eine Studie zum Thema «Lädelisterben». Auch das ist in Solothurn ein Thema, wenn auch nicht ein besorgniserregendes. Nach einer Beurteilung der Ist-Situation wurde ein Massnahmenkatalog erstellt. Dieser beinhaltete als Kernstück einen Citymessenger, um das Stadtmarketing zu verbessern. In St. Gallen ist der Citymessenger schon länger im Einsatz. Wir haben aber eine neue App entwickelt, die wir auf unsere Bedürfnisse angepasst haben. Die Stadt hat die Finanzierung sichergestellt, und wir vom Stadt- und Gewerbeverein sind gemeinsam mit der Standortförderung espaceSOLOTHURN für den Betrieb verantwortlich. Interview: Helen Dietsche

«ShopIn» –so funktioniert die APP

Stadt, Tourismus und Gewerbe ziehen am selben Strick Image 1

Kundinnen und Kunden laden die App auf das Smartphone und werden in wenigen Schritten durch die Installation geführt. Im letzten Schritt kann definiert werden, zu welchen Angeboten man informiert werden möchte. Es stehen verschiedene Kategorien zur Auswahl wie Bars & Beizen, Freizeit & Sport, Kultur und Events u.v.m. Wer nichts verpassen will, markiert am besten alle Bereiche – und los geht’s! Im Gegenzug können Mitglieder der Stadt- und Gewerbevereinigung Aktionen, Neuheiten und Sonderangebote erfassen. Diese werden dann den interessierten Kunden mit einer Push-up-Meldung zeitnah präsentiert. Ganz aktuell gibt’s zum Beispiel bei Rauch’s Gewürze und Tee einen Raclettebegleiter mit passenden Gewürzen und fermentiertem Gemüse, das Museum ENTER informiert über Elektronik-Workshops für Kinder und Jugendliche, und im TrèsOr gibt es neu zertifizierte Kinderkleider der Marke Walkiddy.

Nicht verpassen!
Bis Ende Jahr läuft noch ein Wettbewerb – 50 Taschen voller Geschenke werden unter den Teilnehmenden verlost. Viel Glück!