Dienstag im September: Die Menschen flanieren durch die Strassen und Gassen, lassen sich kulinarisch und kulturell verwöhnen und geniessen die Zeit in Solothurn. Die einen haben konkrete Vorstellungen und einen Einkaufszettel dabei, andere lassen sich vom vielfältigen Angebot inspirieren. Eines haben alle gemeinsam: Sie sind begeistert von der schönen Stadt an der Aare. Umfrage und Bilder: Helen Dietsche
       

Vom Vierwaldstättersee an die Aare

Erika und Franz Bossart sind beide über neunzig Jahre alt und wohnen in Küssnacht am Rigi. Sie haben ein GA und erkunden die Schweiz nach Lust und Laune auf den Schienen. Heute steht Solothurn mit der Besichtigung der Kathedrale und der schönen Brunnen auf dem Programm. Für den gelernten Schreiner sind die vielen Holztore ein weiterer Blickfang: «Das sind alles wunderbare Arbeiten», weiss der Fachmann. Auch kulinarisch ist der Ausflug ein Erlebnis: «Wir haben fein gegessen und sind schon lange nicht mehr so freundlich und nett bedient worden wie im Zunfthaus zum Wirthen. Wenn wir einen Ausflug machen, haben wir Zeit und schätzen es, wenn wir gemütlich essen können und die Bedienung sich unserem Tempo anpasst. Seit das Ehepaar Bossart mit dem GA unterwegs ist, lernen sie in Sachen Geografie immer wieder Neues dazu: «Früher haben wir die Ausflüge mit dem Auto gemacht und sind ohne grosse Zwischenhalte von A nach B gereist. Heute fahren wir mit dem Zug durch Dörfer und Städte und lernen durch die Haltestellen immer wieder neue Ortschaften kennen. Hätte uns gestern jemand gefragt, wo Deitingen ist, wir hätten nicht einmal gewusst, dass die Ortschaft in der Schweiz liegt.»
        

ebz Erwachsenenbildungszentrum Berufsbildungszentrum Solothurn-Grenchen

«Solothurn ist für mich die schönste Barockstadt der Schweiz»

Solothurn – eine Stadt für Jung und Alt Image 2

«Für den Abschluss zum Techniker HF Energie und Umwelt habe ich im letzten Dezember meine Diplomarbeit zum Thema ‹Nachhaltiger Geotourismus Naturpark Thal› geschrieben. Dafür war ich wandernd und velofahrend im Naturpark Thal unterwegs und bin im Rahmen meiner Recherchen auf viele wunderschöne Orte und Plätze gestossen. Verborgene Höhlen, wilde Juraschluchten und die Vielfalt der Natur haben mir ‹den Ärmel reingezogen› und ich bin durch meine Diplomarbeit zu einem neuen Hobby gekommen. Dabei fehlt mir immer wieder ein robustes Messer – sei das, um etwas zu schnitzen oder zum Einschneiden einer Wurst.» Wieso kauft Claudio Martiniello das Messer hier in der Messerschmiede Künzi in Solothurn und nicht irgendwo online? «Ich kaufe gerne in Solothurn ein – Solothurn ist für mich die schönste Barockstadt der Schweiz und: Ein Messer muss richtig in der Hand liegen. Es gibt so viele verschiedene Ausführungen und Klingenbeschaffenheiten. Dank der kompetenten Beratung habe ich das perfekte Messer für mich gefunden. Mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und der passenden Scheide. So, dass ich es sicher und dennoch immer griffbereit bei mir tragen kann.»

Vereinsausflug nach Solothurn

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Christa Mullings kommt ursprünglich aus Basel, wohnt seit 20 Jahren in Rain nahe Luzern und ist zu Besuch in Solothurn. «Ich war schon sehr lange nicht mehr in Solothurn, einzig an die Kathedrale kann ich mich schwach erinnern. Solothurn ist sehr schön. Die autofreie Altstadtzone, die schön gestalteten Schaufenster und die ausgesuchten Angebote vor den Läden gefallen mir sehr gut – es ist luftiger, platzmässig alles ein bisschen grosszügiger als in Luzern.» Grund ihres Aufenthaltes in Solothurn ist die Vereinsreise des Frauenbundes Rain: «Im Zunfthaus zum Wirthen haben wir sehr fein Zmittag gegessen – Gemüsestrudel mit Kräuterrahmsauce und Reis. Ich bin zwar keine Vegetarierin, aber zum Zmittag mag ich nicht allzu deftige Kost.» Die Vereinsreise führte von Rain zuerst nach Welschenrohr in die Seifenfabrik: «Der ‹Maître de Savon› hat uns während einer Führung interessante Dinge erzählt – ein unterhaltsamer und kompetenter Mann. Die Seifenfabrik ist auf jeden Fall auch einen Besuch wert.»

In Solothurn haben die reiselustigen Damen nach dem Mittagessen freie Zeit zum Schlendern und Lädele. «Ich möchte noch die Kathedrale anschauen und meinen verblassten Eindruck von früher auffrischen. Als aktives Mitglied im Kirchenchor Rain habe ich ein Flair für Kirchen und ihre Akustik. Aber zuerst stöbere ich ein bisschen durch die Kleiderläden, vielleicht finde ich ja etwas Passendes.»


«Mein Herz pendelt zwischen Solothurn und Zürich»

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Carole Hauri ist in Feldbrunnen aufgewachsen, studiert in Zürich Bauingenieurwissenschaften und hat ihre frisch geflickten Winterschuhe unter dem Arm. «Ich schätze es, wenn ich Schuhe, die mir ans Herz gewachsen sind, dank unserem Schuhmacher Antonio Sturzo noch weitertragen kann. Grundsätzlich schaue ich bereits beim Schuhkauf auf gute Qualität, sodass sich das Flicken dann auch lohnt. Es sind auch ökologische Überlegungen, die da mitspielen – auch im Kleinen kann man Ressourcen sparen.»

Carole Hauri gefällt das Stadtleben und das Solothurner Flair. Nach dem Schumacher geht’s weiter in den Gewürzladen und zum ‹Kerzen-Jeger›. «Solothurn hat viele kleine Läden mit ausgesuchten Spezialitäten. Ich finde es wichtig, diese zu unterstützen. Meine Mutter betreibt in der Vorstadt die ‹Schmuckmanufaktur Mirjam Hauri› – ich kenne dadurch die ‹Freudeli und Sörgeli› der Gewerbetreibenden.». Und wenn Carole Hauri Hunger hat, freut sie sich auf eine feine Pizza im Wengihaus. Aber: «Der Sohn von meinem Schuhmacher Sturzo hat die ‹Aarebar› neu übernommen. Wenn er so gut Pizza bäckt, wie sein Vater Schuhe flickt, werde ich da sicher immer wieder anzutreffen sein.» Durch das Studium in Zürich wird die Distanz zu Solothurn ein bisschen grösser. Wo sieht sich Carole Hauri in 5 Jahren? «Das steht noch in den Sternen. Mein Partner kommt aus Zug, studiert auch in Zürich. Mein Herz pendelt zwischen Solothurn und Zürich.»