Eins gleich vorweg: Alle Wohnungen sind bereits vermietet. Eine davon auch an die ehemalige Wirtin des Restaurants Bad, die nun dort ihren Lebensabend geniessen darf, wo sie früher die Gäste empfing. Der Umbau des 1809 erstellten Gebäudes war eine komplexe Angelegenheit, galt es doch massive Brandschutzvorschriften und Auflagen der Denkmalpflege zu berücksichtigen. Dank sorgfältiger Vorabklärungen mit entsprechender Nutzungsstudie konnten bauliche Überraschungen vermieden werden. Eine vertiefte Analyse drängte sich auf, da sich das Gebäude in einem desolaten Zustand befand. Selbstverständlich wurde der Umbau nach den neuesten Erkenntnissen und bauphysikalischen Richtlinien vollzogen. Sodass es den Mietern an nichts fehlt. Bis auf eine Wohnung verfügen alle über einladende Balkone. Zudem wurde ein Lift eingebaut und Parkplätze in der ehemaligen Dépendance erstellt.
  

Die budgetierten Kosten konnten eingehalten werden, es gab eine Punktlandung. So erstaunt denn nicht, dass am Tag der offenen Tür nicht nur die Lüterswiler interessierte, wie ihr geschichtsträchtiges Gebäude saniert worden war, sondern auch Besucher aus nah und fern. Denn über viele Jahrzehnte liessen es sich Heerscharen von Kurgästen nicht nehmen, ihre Ferien im schönen Lüterswil zu verbringen. So wie etwa die Familie von Adolf Saager. Als kleiner Junge, mit seinen Schweizer Eltern in Deutschland lebend, reiste er im Sommer jeweils an. Nur zu gerne erinnerte er sich an die Köstlichkeiten aus der Küche, die ausgedehnten Spaziergänge in der Umgebung und die gemütlichen Abendanlässe. Die Gaumenfreuden, denen die Kurgäste gerne und üppig zusprachen, liessen das Restaurant Bad zu einem «Fressbädli» werden. Und wohl so mancher Kurgast, wie auch der kleine Adolf, dürfte von diesem Kuraufenthalt noch lange gezehrt haben.
  

Auszug aus der Stellungnahme der Denkmalpflege: «Das 1809 erbaute behäbige Gebäude mit wohlproportionierter Fassadengliederung wurde später mit einer Dépendance und einem Park erweitert. Vom ursprünglichen Glanz des Kurbetriebs Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ist leider nicht mehr viel vorhanden. Die Dépendance wurde Anfang der 1990er-Jahre wegen Baufälligkeit auf zwei Geschosse heruntergenommen, ist aber mit dem Gestaltungsplan von 2000 im Volumen gesichert.
   

Nachdem beim Hauptgebäude von 1809 in den letzten Jahrzehnten nur partielle Sanierungen vorgenommen worden waren – 1994 wurde beispielsweise die Südfassade restauriert – ist es aus Sicht Denkmalpflege zu begrüssen, dass das Gebäude mit dem vorgesehenen Umbau umfassend saniert und in die Zukunft geführt wird. Bedauerlich ist, dass die Nutzung als Restaurant nun definitiv aufgegeben wird.»
   

Die Nutzung als Restaurant wird zwar aufgegeben – aber nicht die Nutzung des Klaviers, das aus dem Restaurant «gerettet» wurde. Daniel Roth nahm sich dieses Teils an, liess es stimmen und wieder in Schwung bringen. Sehr zur Freude seiner Kollegen von «Läärguet», der Schweizer Mundart-Band aus dem Berner Seeland, die gleich den Song «Mis aute Klavier» dazu verfassten. Ein Stück Kurgeschichte lebt nun auch so weiter.

Carolin Frei
  


   

Auf einen Blick

Das Architekturbüro Kobi besteht seit 38 Jahren und beschäftigt 10 Mitarbeitende inklusive einem Lernenden. Das Unternehmen ist auf Um- und Neubauten, auch im Industrie- und Gewerbesektor spezialisiert. Und – das Architekturbüro nimmt sich zudem gerne Umbauten von geschichtsträchtigen Gebäuden an.

Eigentümer und Bauherrschaft:
Geschwister Müller: Monika, Martin und Fritz Müller

Architekt:
Architekturbüro Kobi
Schorenweg 150
4585 Biezwil
Bauleiter: André Pärli