Corona hat zu starken Schwankungen am Devisenmarkt geführt: Wie kann ich mich gegen unruhige Marktphasen absichern? 
 
Als Folge der Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie erhöhen sich die Schulden der westlichen Industrieländer massiv. Ein Staat, der sein Haushaltsdefizit (und damit seine Verschuldung) allein in einem solchen Ausmass erhöht, müsste theoretisch mit einem starken Wertverlust seiner Währung rechnen. Abgesehen von der Dollarkorrektur ist der Devisenmarkt insgesamt jedoch recht stabil geblieben. Dies erklärt sich durch die Tatsache, dass sich die überwiegende Mehrheit der Staaten im selben Prozess der massiven Verschuldung befindet und die Wechselkurse somit relativ stabil bleiben. Diese Stabilität könnte in Zukunft sogar noch zunehmen. Da es zu einer Annäherung der kurzfristigen Zinssätze in den Industrieländern gekommen ist, wird eine Absicherung der Wechselkursschwankungen über Devisenterminverkäufe immer günstiger. Ein Schweizer-Franken-Portfolio gegenüber dem Währungsrisiko für Anlagen in Euro abzusichern, kostet heute nur noch 0,30% pro Jahr, und die Absicherungskosten von Anlagen in Dollar gegenüber dem Schweizer Franken belaufen sich auf 1,15%. Bis vor einem Jahr kostete die Absicherung des Dollars gegenüber dem Schweizer Franken durch Dollar-Terminverkäufe noch rund 3,5% pro Jahr!
     

Banque Bonhôte & Cie SA

Welche Geldanlagen machen langfristig Sinn? Welche Investitionen lohnen sich?

Die Pandemie und der allgemeine Lockdown haben zu einem Höhenflug der sogenannten «Stay at home»-Aktien sowie der Technologieaktien geführt, die ebenfalls vom Rückgang der langfristigen Zinssätze profitierten. Diese Entwicklung wurde von der Idee getragen, dass die Wirtschaft unweigerlich unter dem Stillstand der Wirtschaft leiden wird, dass aber einige Sektoren auch von dieser Situation profitieren könnten. Mit der bevorstehenden Entwicklung von Impfstoffen zeichnet sich eine normale Dynamik der Wiederbelebung der Wirtschaft ab, auch wenn die Umsetzung einer Impfstrategie ein langer Prozess ist. Es ist damit zu rechnen, dass die nachlassende Unsicherheit das Bedürfnis nach vorsorglichem Sparen verringern wird. Vor dem Hintergrund der anhaltend lockeren Geldpolitik der Zentralbanken sollte ein grösserer Teil der verfügbaren Liquidität in konjunktursensitivere Sektoren fliessen, die von der Erholung der Wirtschaftstätigkeit profitieren. Es zeichnet sich eine Rotation zugunsten von relativ unterbewerteten Industrie-, Finanz-, Energie- und Dienstleistungswerten ab, deren Gewinnperspektiven sich verbessern dürften. Als logische Folge sollten sich damit auch die Bewertungsunterschiede gegenüber den Technologiewerten verringern.

Auf längere Sicht gilt jedoch festzuhalten, dass diese Krise den Wandel hin zu einer digitaleren und grüneren Wirtschaft – ein Trend, der bereits vor der Pandemie eingesetzt hatte – beschleunigen wird. Politisch gesehen fliesst über die Hilfsprogramme mehr öffentliches Geld in nachhaltigere und umweltfreundlichere Investitionen. Dieser Trend wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft fortsetzen. Unsere Gesellschaften werden immer dienstleistungsorientierter, digitaler und grüner. Wir glauben, dass der Marktanteil des Onlinehandels und der Onlinezahlungen weiterwachsen wird, ebenso wie der Anteil der Investitionen in erneuerbare Energien.

Thema Preisstabilität: Droht uns eine grössere Inflation? Oder gar eine Deflation?

Ob die Teuerung mit der wirtschaftlichen Erholung in der Nach-Corona-Zeit steigen oder sinken wird, ist ungewiss. Seit den 1980er-Jahren geht der Trend bei der Inflation und den langfristigen Zinsen nach unten. Die Zentralbanken haben ihre Geldpolitik – über die kurzfristigen Zinsen – auf das Ziel der Preisstabilität ausgerichtet. Die Verlagerung der Produktion nach Asien und Osteuropa hat ebenfalls erheblich zu dieser Entwicklung beigetragen. Es ist wahrscheinlich, dass die Pandemie auch nach der Bereitstellung eines Impfstoffs zu dauerhaften Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt führen und die Investitionsausgaben begrenzen wird. Der Trend zu einer rückläufigen Inflation wird trotz des Geldangebots und steigender öffentlicher Haushaltsdefizite noch lange anhalten. Eine Trendwende könnte erst viel später durch die Verlangsamung der Globalisierung und die schwache Zunahme der Erwerbsbevölkerung eintreten.

Wie hat sich der Immobilienmarkt in den letzten Monaten während der Pandemie entwickelt?

Es ist vor allem der Sektor der Gewerbeimmobilien, der unter der Pandemie leidet. Am stärksten betroffen sind die Büroflächen, da der Druck durch das Homeoffice immer stärker wird. Etwas besser sieht es beim Industrie- und Logistiksektor aus, da Produktion und Lagerhaltung beibehalten werden. Interessant bleiben die Wohnimmobilien, die nach wie vor von extrem niedrigen Zinsen profitieren. In der Gunst der Anleger stehen die Fonds mit der grössten Liquidität, welche die beste Performance verzeichnen. Der Index für Schweizer Immobilienfonds hat im dritten Quartal 4% zugelegt.