Sandra Morstein


Richard Aschberger wurde 2017 in den Kantonsrat gewählt, wo er vor allem als Finanzpolitiker in Erscheinung tritt, der unermüdlich auf eine Bremsung des Ausgabenwachstums drängt und eine zu hohe Verschuldung anmahnt. Man nimmt ihn als Politiker mit wohl klaren Positionen, aber ohne ideologische Scheuklappen und mit Bereitschaft zur Suche nach dem tragfähigen Kompromiss wahr. Das machte den Unternehmer aus Grenchen für seine Partei wohl auch zum valablen, potenziell mehrheitsfähigen Regierungsratskandidaten. In Grenchen erzielte er bei den letzten Gemeinderatswahlen denn auch das zweitbeste Ergebnis mit nur wenigen Stimmen hinter Stadtpräsident François Scheidegger (FDP).

Richard Aschberger (1984), SVP, Grenchen Image 2

Wie der Smartspider zeigt, ist Aschberger aber sehr wohl ein «waschechter» SVP-Vertreter, sein Profil ist nahezu deckungsgleich mit dem Parteidurchschnitt und weist ihn als klar rechts und wirtschaftsliberal aus. Sogar eher noch ein bisschen rechter und für eine liberalere Wirtschaftspolitik stehend als das Gros in der SVP, was sich etwa im hohen Wert bei der restriktiven Finanzpolitik, dem maximalen Wert bei der restriktiven Migrationspolitik und dem sehr tiefen Wert beim ausgebauten Sozialstaat zeigt. Der Blick auf den Smartvote-Fragebogen ergibt ein differenziertes Bild. Der Regierungsratskandidat der SVP spricht sich zum Beispiel für eine Erhöhung des Rentenalters und gegen eine gesetzliche Verpflichtung der Gemeinden zur Mitfinanzierung von familienergänzenden Betreuungsstrukturen aus. Hingegen kann er sich mit dem Gedanken anfreunden, dass der Kanton mehr Mittel für die Verbilligung der Krankenkassenprämien bereitstellt, und zeigt sich in manchen gesellschaftspolitischen Fragen offen: Aschberger befürwortet die vom eidgenössischen Parlament beschlossene Ehe für gleichgeschlechtliche Paare inklusive Zugang zur Samenspende und die Legalisierung des Cannabiskonsums. Geraucht werde sowieso, da sei es besser, «Gras» zu besteuern und die Einnahmen zum Beispiel in die AHV zu leiten.

Aschberger scheut sich nicht, auch einmal offen eine andere als die offizielle Parteiposition zu vertreten. So unterstützte er zum Beispiel entgegen der SVP-Parole die Revision des kantonalen Polizeigesetzes, das der Polizei erweiterte Ermittlungskompetenzen gibt. Wie der Smartspider zeigt, ist er in Sachen Umweltschutz grundsätzlich «auf Linie», hat aber zum Beispiel durchaus gewisse Sympathien für eine stärkere Förderung des Langsamverkehrs gegenüber dem motorisierten Verkehr. (mou)