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Glück kann man essen

Der Herbst lädt ein, die Schokoladengenüsse der Region zu erkunden. Einzige Voraussetzung: Lust auf Schoggi. Und vielleicht ein schokoaffiner Magen.


7.11.2021

Schokolade macht glücklich. Rein biochemisch muss sie dunkel sein, damit das Tryptophan in Serotonin umgewandelt wird und Glücksgefühle entstehen. Rein psychologisch funktioniert das auch weniger dunkler.

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Dabei darf sie aber nicht einfach nur süss schmecken, die Geschmacksnerven müssen auch etwas gefordert werden. Und die Konsistenz muss stimmen – sei es durch Knacken mehrerer feiner Schokoladenschichten oder durch sanftes Schmelzen auf der Zunge. Nach dem Genuss muss wie beim Wein ein Abgang im Mund bleiben, die Schokolade muss nachschmecken, die Party nicht abrupt enden. Last, but not least sollte für den Schokogenuss niemand leiden müssen, keine Kinder beschäftigt, keine Natur beschädigt werden, Löhne fair sein. Das ist zumindest unser Anspruch an den Schokogenuss. Und der wird auf unserem Schokostreifzug durch die Region mehr als zufriedengestellt. Dominique Simonnot
 

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Knackende Wäppli und edle Mohrenköpfe

Wir beginnen bei Gassler Beck in Grenchen. Da, wo früher die Confiserie Schmitz ansässig war, führt Peter Gassler seit 1996 das Café Eldorado. Mit unberechtigter Bescheidenheit. Die Grenchner Wäppli knacken beim Reinbeissen bis zur hochwertigen Trüffelmasse, schmecken nicht zu süss und der Geschmack klingt im Mund noch eine Weile nach. Die Wäppli gibt es in dunkler und heller Schokolade. Leider gibt es sie noch nicht offen, für den Genuss im Café muss man sich ein Päckchen kaufen. Eine andere Überraschung ist der Mohrenkopf, der eigentlich nicht sehr viel mit seinem Original zu tun hat – er schmeckt viel besser. Wie ein grosses Praliné oder ein kleiner Kuchen verführt er mit seiner dünnen Schoko-Caramel-Schicht, einer Biskuitschicht und einem Vanillecremekern im Inneren. Vor allem Junior ist begeistert und möchte noch einen.
 

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Paradies für heisse Schoggi

Nächste Station Solothurn. Schokoliebhaber müssen in das kleine Café Chocola in der Schaalgasse. Inhaberin Christine Frey lebt und teilt hier seit 2019 ihre Leidenschaft für edle Schokolade und Kakao. Auf der Karte finden sich Edelkakao-Klassiker wie die Maracaibo 65% aus Venezuela und Spezialitäten wie Cru Virunga 70% aus Kongo, mit dessen Kauf Familien vor Ort direkt unterstützt werden. Genau was es braucht für eine gute heisse Trinkschokolade. Nachdem Christine uns über Herkunft und Besonderheiten im Geschmack aufgeklärt hat, entscheiden wir uns für den Klassiker, der Cru Virunga, und für die zuckerfreie Sorte Kakaofrucht, nur mit Kakaofruchtsaft gesüsst. Für mich mit Hafermilch. Der direkte Vergleich zeigt deutlich die Unterschiede im Geschmack. Insbesondere Kakaofrucht fällt aus dem Rahmen, der Geschmack ist leicht erdig, ähnlich der Kakaobohne selbst. Zur heissen Schoggi entscheiden wir uns für den saftigen Schokokuchen, der wie alle Köstlichkeiten in liebevoller Handarbeit hergestellt wird. Und so schmeckt er: schön schokoladig, dadurch gehaltvoll, nicht zu süss.
 

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Champagner!

Nach so viel Schokogenuss braucht der Magen eine Pause, und wir spazieren gemütlich an der Aare entlang und dann zur Hans-Huber-Strasse, wo sich die Produktionsstätte der Suteria befindet. Mit Michael Brüderli besichtigen wir die Produktion und ziehen uns dann zum Degustieren ins Büro des Geschäftsleiters zurück. Die Suteria ist über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt für ihre Solothurner Torte. Doch natürlich kann die Confiserie auch Schokolade. Ihre Champagnertruffes wurden bereits 2010 an der Swiss Bakery mit Gold ausgezeichnet. Die möchten wir probieren. In die Truffes kommt nur echter Champagner – und zwar der von Nicolas Feuillatte, einer der meistgetrunkenen Frankreichs. Abgefüllt wird im 2-Komponenten-Verfahren – erst die Champagnersosse, dann die Ganache. Aussenrum erlesene Schokolade. Die Kugel schmilzt zart auf der Zunge und gibt dezent den Geschmack des Champagners wieder. Genauso sollten Champagnertruffes schmecken. Während meine Vorliebe insbesondere den dunklen Champagnertruffes gilt, tendiert Junior zu der helleren Variante. Stiert allerdings schon neugierig auf die nächste bereit gelegte Versuchung in Form eines Truffe-Cakes. Die reichhaltige Kalorienbombe aus edler 64%-Madagaskar-Schokolade besteht aus Schokobiskuit, Schokoganache, Schokokuvertüre und Kakaopulver. Mehr Schokolade geht nicht. Aber man gönnt sich ja sonst nichts.
 

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Im Pralinéhimmel

Keine Schokoreise ohne Besuch der Confiserie Hofer. Im Haus am Stalden, wo sich auch die Produktion des Traditionsbetriebes befindet, nehmen wir in der gemütlichen Stube im obersten Stock Platz. An einem grossen alten Tisch, wo die Familie früher zu Mittag gegessen hat. Edles will schliesslich edel präsentiert werden. Vor uns eine Auswahl an Pralinés aus Grandcru-Schokolade, darunter die Herbstspecials. Denn die Confiserie achtet auf Vielfalt und Abwechslung, ohne dabei ihren hohen Anspruch an Qualität und Geschmack zu vernachlässigen. Doch auch wenn Pralinés klein und die Verführung gross ist, sollte man zugunsten des Geschmacks nicht zu viele auf einmal essen. Und wie beim Wein am besten mit Wasser zwischenspülen, um den vollen Geschmack des nächsten Pralinés zu geniessen. Pralinés sind aber auch perfekte Kaffeebegleiter, weshalb der «Café Chocolatier » mit drei Pralinés serviert wird. Ingrid Spit, die mit ihrem Mann die Confiserie in dritter Generation leitet, erklärt uns Herstellungsweise und Zutaten der vor uns liegenden Pralinés. Wir staunen über die Frische und Geschmacksintensität jedes einzelnen. Und über die Abwechslung auch bei der Konsistenz, ob fest, flüssig oder knackig. Schnell sind zumindest meine Favoriten gefunden: Absinth Grüeni Fee, Apfel und Calvados, Tonka, dunkle Ganache, gedörrte Zwetschge und Kakaofrucht. Junior kann sich nicht genau festlegen. Muss er auch gar nicht, schult er sein Schokogespür ja noch.
 

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Schoggi-Weggli – einfach, aber verführerisch

Auf dem Rückweg in die Stadt schauen wir in der Bäckerei Baranyai vorbei, wo zwei junge Männer vielversprechende vegane Schoggi-Weggli produzieren. Andres und Jeffrey gründeten ihre vegane Bäckerei letztes Jahr während des Lockdowns und haben damit eine wichtige Marktlücke in der Region gefüllt. In die Urdinkel-Weggli kommt 60%ige Schoggi von Rapunzel. Vorbild war das beliebte Schoggi-Gipfeli der Duo-Bäckerei in Zuchwil, wo Andres seine Lehre zum Bäcker gemacht hat. Er war ein guter Schüler: Das Schoggi-Weggli schmeckt wunderbar leicht mit einem knusprigen Rand und feinem Schokogeschmack, der nicht von Süsse übertüncht wird. Wir nehmen uns zwei weitere mit für den Heimweg.