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Ein Acker mit Weitsicht

Was braucht der Mensch zum Leben? Diese Frage wird auf dem 2000 m2 grossen Weltacker oberhalb Attiswil anschaulich dargestellt. Ein Besuch regt zum Nachdenken an.

Rosmarie Zimmermann erklärt den Weg des Kaffees bis in die Tasse anhand einer Kugelbahn. Bilder: Isabel Iten

7.11.2021
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Es grünt und blüht herbstlich auf dem 2000 m2 grossen eingezäunten Acker des Bleuerhofs oberhalb von Attiswil. Idyllisch liegt der Acker mit weltoffenem Blick weithin in die Alpen. Die grosse Ernte ist schon vorbei. Trotzdem bleibt noch viel zu tun.

Es ist die dritte Saison, die auf diesem besonderen Land langsam zu Ende geht. Vor drei Jahren haben Rosmarie und Peter Zimmermann den Gemüseanbau und Direktverkauf auf ihrem Landwirtschaftsbetrieb aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben. Für sie bedeutete dieser Schritt nicht das Ende, sondern er war die Chance für einen Neuanfang. «Wir hatten viele Ideen. Doch dann entdeckten wir in einem Restaurant den Flyer vom Weltacker in Nuglar SO», erzählen sie. Sie informierten sich mit einem befreundeten Ehepaar vor Ort und reisten zudem nach Berlin, wo 2015 der erste Weltacker entstanden ist.

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Das 2000-m2-Projekt

«Wenn wir die globale Ackerfläche von 1,5 Milliarden Hektaren durch die Zahl der Erdbewohner teilen, ergibt das pro Person 2000 m2. Auf dieser Fläche muss alles wachsen, womit uns die Natur nährt und versorgt », erklärt Peter Zimmermann. Dazu gehören Brot, Reis, Kartoffeln, Obst, Gemüse, Öl, Zucker – die Liste ist lang. «Auch miteingerechnet wird das Futter für die Tiere, deren Fleisch, Milch und Eier wir verzehren, welches vom Acker und nicht von den Wiesen und Weiden stammt.» Rosmarie Zimmermann erwähnt zudem die Baumwolle für Kleider, den Tabak und das Biogas, der Biodiesel sowie die nachwachsenden Rohstoffe für die Industrie. Der Acker ernährt zudem ein paar Billiarden Kleinstlebewesen, ohne die der Ackerboden gar nicht fruchtbar wäre. Damit sich dies Jung und Alt bildlich vorstellen kann, entstehen Weltacker-Projekte nicht nur in der Schweiz, sondern auf der ganzen Welt. 

Auf dem Weltacker in Attiswil wachsen die fünfzig grössten Kulturen der Welt.
Auf dem Weltacker in Attiswil wachsen die fünfzig grössten Kulturen der Welt.

Jeder Bissen hat seinen Ort

Auf den 2000 m2 in Attiswil wachsen die fünfzig grössten Kulturen der Welt, unterteilt in neun Oberkategorien. Die grösste Fläche belegt das Getreide, gefolgt vom Grünfutter und den Ölfrüchten. Hülsenfrüchte, Obst und Nüsse, Gemüse, Fasern, Wurzelfrüchte sowie Genussmittel wurden zu fast gleich grossen Teilen angepflanzt. Mit liebevoll gestalteten Installationen werden die verschiedenen Themen begreifbar gemacht.
 

Peter Zimmermann erntet die letzten Gemüse.
Peter Zimmermann erntet die letzten Gemüse.

Der Weltacker bietet sinnliche und anschauliche Erlebnisse und lädt zum Nachdenken und Diskutieren ein. «Wir können mit den 2000 m2 die Welt nicht verändern. Wir zeigen lediglich den Anbau der Kulturpflanzen auf, beschreiben deren Nutzung und wie sich dies auf die weltweite Ernährung, das Klima und die Umwelt auswirkt.» Für Rosmarie und Peter Zimmermann und einige Vereinsmitglieder ist es wie ein Geschenk, Besucherinnen und Besucher über den Acker zu führen. «Oft sind die Fragen spannend, auch wenn sie zum Teil kritisch sind. Dieser Austausch und auch Diskussionen mit den Vereinsmitgliedern sind bereichernd und machen die Arbeit wertvoll.» Fünfundsechzig kleinere und grosse Gruppen haben sie und andere Vereinsmitglieder diese Saison über den Weltacker geführt.

Der Weltacker war aber auch für einundvierzig Schulklassen das grosse Projekt. Organisiert wurden die Schulangebote durch Christine und Martin Sommer vom Verein «Weltacker Attiswil». Unter dem Motto «Mein Essen wächst nicht im Supermarkt» konnten Schülerinnen und Schülern sowie deren Lehrpersonen verschiedene Aspekte unserer Ernährung aufgezeigt werden. Dabei staunten sie über die globalen Zusammenhänge von Nahrungsmitteln und über die Auswirkungen von ihrem Konsumverhalten auf die Umwelt, das Klima und auf die Arbeitsbedingungen.
 

Die Installation «Aus dem Tisch! Auf den Tisch!» des Künstlers Max Bottini regt zum Nachdenken über unsere Nahrungsmittelproduktion an.
Die Installation «Aus dem Tisch! Auf den Tisch!» des Künstlers Max Bottini regt zum Nachdenken über unsere Nahrungsmittelproduktion an.

Gemeinsam ackern

Die Aufgaben auf dem Weltacker sind vielfältig. Um die Arbeiten bewältigen zu können, haben die Weltacker-Initianten den Verein «Weltacker Attiswil» gegründet. Das vierköpfige Vorstandsteam und die Ressortverantwortlichen steuern den Weltacker jeweils durch die Saison. «Die Mitglieder unterstützen das Projekt tatkräftig auf den Feldern oder durch das ideelle Mittragen und Netzwerken», erklären Zimmermanns. Die Anbauplanung und die maschinelle Bewirtschaftung liegen immer noch bei den Gründern. «Nächste Saison liegt ein Fokus auf einem der ältesten Grundnahrungsmittel: den Bohnen. Sie sind nämlich wahre Alleskönner. Neben ihrer positiven Wirkung auf das Ökosystem können sie als Kerne oder Hülse unsere Ernährung auf köstliche Weise revolutionieren», freuen sich die Zimmermanns. Verschiedene Bohnenarten zum Aussäen haben sie bereits eingekauft. Isabel Iten